Syria Media Roundup – 25. Februar bis 3. März 2019

In diesem Medien Roundup sammeln wir wöchentlich lokale Nachrichten aus Syrien, welche vorwiegend in arabischen und kurdischen Medien publiziert werden. Unser Ziel ist es, diese Nachrichten einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen. Die Quellen stammen aus Nachrichtenkanälen, die wir als vertrauenswürdig einstufen, eine absolute Verlässlichkeit können wir nicht garantieren. Der Fokus des Inhalts sind Gebiete, in welchen vorwiegend ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten leben, wie beispielsweise ʿAfrin, Al-Qamischli und As-Suwayda.

Verhaftungen durch die PYD

Eine weitere Reihe von Verhaftungen fand zwischen dem 25. Februar und dem 1. März 2019 in Gebieten unter PYD-Kontrolle statt. Mitglieder der YPG verhafteten zwei Frauen am Checkpoint Hazina im Nordwesten von Ar-Raqqa. Ihnen wurde vorgeworfen, dem IS anzugehören (SMART News, 25. Februar 2019). Aus unbekannten Gründen nahmen Mitglieder der YPG sieben weitere Personen, in verschiedenen Flüchtlingslagern im Westen von Ar-Raqqa fest (SMART News). Am 28. Februar konfiszierten Kräfte der YPG im östlichen Abschnitt der Straße Gantari in der Provinz Ar-Raqqa neun mit Öl beladene LKWs und verhafteten die Fahrer der Fahrzeuge. Einer der Fahrer wehrte sich gegen die Verhaftung. Mitglieder der YPG schlugen den Mann, woraufhin er zur ärztlichen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden musste (SMART News). Am 1. März verhaftete der Sicherheitsdienst der PYD, Asayiş, sieben junge Männer im Dorf Al-Bu’as und drei junge Männer im Dorf Hazima. Sie wurden gezwungen, den Militärdienst bei den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) abzuleisten (SMART News).

Am 2. März entließ die Selbstverwaltung 132 Gefangene, die aufgrund ihrer IS-Zugehörigkeit verhaftet worden waren, aus Gefängnissen in Al-Hassaka. Die Selbstverwaltung verkündete, dass zusätzlich 283 Gefangene, denen ebenfalls vorgeworfen worden war, dem IS anzugehören, freigelassen werden sollen (SMART News).

Verbot von Motorrädern in Ar-Raqqa

Die Selbstverwaltung erließ kürzlich in der Stadt Ar-Raqqa ein Verbot von Motorrädern. Es folgten zahlreiche Verhaftungen junger Männer, die gegen das Verbot verstoßen hatten, so etwa am 24. Februar (SMART News). Vermutlich aus dem gleichen Grund, wurden neun weitere Männer am 28. Februar und am 1. März durch den Asayiş und die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) verhaftet (SMART News). Am 2. März demonstrierten einige junge Menschen gegen das Verbot von Motorrädern in Ar-Raqqa. Dies hatte die Verhaftung von fünf Personen zur Folge (SMART News). Sechszehn weitere Personen wurden am 3. März vom Asayiş verhaftet, nachdem sie mit Motorrädern durch die Stadt gefahren waren (SMART News).

Verhaftung von KNR-Mitgliedern

Kräfte der PYD verhafteten die zwei Mitglieder des Kurdischen Nationalrats in Syrien, Fawaz Ali and Bahzad Baruji, ihre Parteizugehörigkeit ist unbekannt, im Dorf Al-Halik im Nordosten Syriens. Die Betroffenen hatten sich an der Organisation einer Gedenkfeier zum Todestag von Mustafa Barazani beteiligt (ARK News).

Ankunft tausender Familien im Flüchtlingslager Al-Hol

Nach Angaben von Nabil Hassan, Mitarbeiter des Flüchtlinglagers Al-Hol im Nordosten Syriens, erreichten zwischen dem 27. Februar und 2. März zahlreiche neue Familien das Lager. Mehr als 4.000 syrische Staatsangehörige und circa 3.200 Iraker*innen suchten Zuflucht in Al-Hol. Darüber hinaus zählte die Administration des Flüchtlingslagers die Ankunft von circa 350 Familien von IS Mitgliedern.

Kriminaltaten ʿAfrin

Am 25. Februar verhaftete die bewaffneten Gruppe Al-Sharqiya einen politischen Aktivisten. Die Bewaffneten warfen ihm vor, mit dem russischen Nachrichtenkanal Russia Today zu kooperieren und diesem Bildmaterial von einer Autoexplosion am 21. Februar 2019 übergeben zu haben (SMART News). Eine weitere bewaffnete Gruppe entführte einen Anwalt von einem Gericht in ʿAfrin, der Opfer von Gewaltverbrechen verteidigt hatte. Der Verbleib des Anwaltes ist unbekannt. Ein Neuzehnjähriger wurde durch eine militante Gruppe im Bezirk Shiya in ʿAfrin entführt und in ein Gefängnis in Dschindiras gebracht. Das Opfer war bereits 2018 entführt und nach Zahlung eines Lösegelds freigelassen worden (ARK News). Ein älterer Mann aus dem Dorf Ternada wurde von einer bewaffneten Gruppe in seinem Haus überfallen und schwer verletzt. Mitglieder der bewaffneten Gruppe forderten den Mann auf, das Haus zu verlassen. Das Haus des Opfers befindet sich neben der Basis einer bewaffneten Gruppe namens Al-Zenki. Dieser Umstand steht vermutlich mit dem Gewaltverbrechen in Verbindung (Rudaw).

Sicherheitschaos in As-Suwayda

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete in letzter Zeit häufig über den Fund von Leichen außerhalb der Stadt As-Suwayda. Am 27. Februar wurde der Leichnam eines Arztes an der Straße Richtung Al-Kafr im Süden von As-Suwayda gefunden. Der Körper hatte Schusswunden, die genauen Umstände zum Tod des Mannes sind nicht bekannt (SMART News, SOHR).

SOHR berichtet weiterhin über das derzeitige Sicherheitschaos in der Stadt und Provinz As-Suwayda. Örtliche Demonstrant*innen sperrten Straßen und schossen auf Gebäude der Baath-Partei und andere Gebäude des Regimes in der Stadt Salkhad. Laut SOHR stehen die Demonstrationen in Zusammenhang mit dem erheblichen Treibstoffmangel in der Provinz. Darüber hinaus kam es in der  Stadt As-Suwayda zu gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen lokalen bewaffneten Fraktionen (SOHR, 1. März 2019).