Syria Media Roundup – 16. bis 22. September 2019

In diesem Medien Roundup sammeln wir wöchentlich lokale Nachrichten aus Syrien, welche vorwiegend in arabischen und kurdischen Medien publiziert werden. Unser Ziel ist es, diese Nachrichten einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen. Die Quellen stammen aus Nachrichtenkanälen, die wir als vertrauenswürdig einstufen, eine absolute Verlässlichkeit können wir nicht garantieren. Der Fokus des Inhalts sind Gebiete, in welchen vorwiegend ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten leben, wie beispielsweise ʿAfrin, Al-Qamischli und As-Suwayda.

Verhaftungswelle durch die PYD

Am 16. September 2019 verhafteten und zwangsrekrutierten die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) neun junge Männer aus einem Flüchtlingslager in ʿAin ʿIsa (SMART News, 17. September 2019). Zwei Tage später wurden fünfundfünfzig weitere junge Menschen aus Al-Mansura, sowie sechzehn Jugendliche aus den Dörfern Khnez, Tal Al-Samman und Al-Fatsa in der nördlichen Provinz Ar-Raqqa festgenommen. Acht Jugendliche wurden in Al-Karama östlich von Ar-Raqqa verhaftet, darüber hinaus kam es zu weiteren Festnahmen in anderen Städten und Dörfern (SMART News, 18. September 2019). Am 19. Und 21. September 2019 wurde die Verhaftung von zweiundzwanzig intern Vertriebenen aus einem Flüchtlingslager westlich von Ar-Raqqa sowie mehr als vierzig Jugendlichen in der Stadt Ar-Raqqa dokumentiert (SMART News). In der Regel werden die verhafteten jungen Männer für den Militärdienst der SDF zwangsrekrutiert.

Als Teil einer Serie von Maßnahmen zur Unterdrückung politische Gegner untersagte der Asayiş, der Geheimdienst der PYD, letzte Woche die Kulturveranstaltung eines Gemeinderats des Kurdischen Nationalrats (KNR) in der Stadt Qamischli (ARK News, 16. September). Kurz nachdem das Verbot öffentlich wurde, gab der KNR eine Erklärung heraus, in der er das Vorgehen der PYD kritisiert (ARK News, 17. September 2019). Am 17. September 2019 entließ der Asayiş vier inhaftierte Mitglieder der PDK-S, einer Mitgliedspartei des KNR. Die freigelassenen Personen waren von einer Einheit des Asayiş am 10. April 2019 im Dorf Bani Schikafte in Al-Malikiya (Dêrik) festgenommen worden (SMART News, ARK News, 17. September 2019).

Am 19. September 2019 veröffentlichte das Syrische Netzwerk für Menschenrechte (SNHR) einen Bericht, in dem die SDF beschuldigt werden, dass syrische Regime mit Öl- und Gaslieferungen zu unterstützen. Der Bericht des SNHR fordert Ermittlungen, die die Einnahmen der SDF aus Öl- und Gasexporten offen legen. Dem Bericht zufolge unterstützen die SDF das Assad-Regime, dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden und das von den USA und der EU sanktioniert wird. Zudem legen die SDF ihre Einnahmen für Öl- und Gasexporte nicht offen. Die Autoren gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil dieser Einnahmen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zugutekommt, die von vielen Regierungen als terroristische Vereinigung eingestuft wird (SNHR, ARK News). Das Pentagon kündigte am 18. September 2019 an, die Syrischen Demokratischen Kräfte weiterhin militärisch zu unterstützen (SMART News, 19. September 2019).

Einführungen durch Milizen in ʿAfrin

ARK News erinnerte mit einem Bericht an Istrvan Asʿad Abdo aus ʿAfrin, die gemeinsam mit ihren beiden Kindern vor eineinhalb Jahren, am 20. Mai 2018, entführt wurde. Bis heute ist ihr Schicksal unbekannt. Angeblich wurden auch weitere Mitglieder der Familie entführt, teilweise schwer gefoltert und dann wieder freigelassen (ARK News, 16. September 2019). Abgesehen von diesem Fall wurden in der vergangenen Woche mehrere Berichte über Entführungen durch Milizen in ʿAfrin veröffentlicht. Am 10. September starb Mohammad Hassan Kawas an den Folgen von Folter. Anschließend wurden seine Frau und zwei Kinder von den Mitgliedern bewaffneter Fraktionen entführt. Am 12. September folterte eine bewaffnete Fraktion Hammudi Mustafa und verschleppte ihn an einen unbekannten Ort. Am 13. September entführte die bewaffnete Al-Hamzat-Fraktion einen Yeziden namens Jazijan Isso. Am 15. September entführten bewaffnete Kämpfer der Al-Amshat-Fraktion in ʿAfrin den 65-jährigen Ali Aref Hameed. Am selben Tag wurde auch ein 17-jähriger Teenager, Manab Abdo, von bewaffneten Fraktionen entführt. (Rudaw, 18. September 2019).

In einem Bericht für die Generalversammlung der UN kritisiert die Organisation Syrians for Truth and Justice (STJ) die türkische Regierung für die Unterdrückung der Identität der Bewohner*innen ʿAfrins und beschuldigt türkische Einheiten und ihre alliierten syrischen Milizen, historische, kulturelle und religiöse Stätten in ʿAfrin zu zerstören (STJ, SMART News, 20. September 2019).